Empfehlungen haben einen Wert und sollten vergütet werden, findet Robert Wetzker. Bei seinem Dienst Aklamio werden gute Kaufvorschläge mit Prämien belohnt.

„Startup-Held“ Robert Wetzker im Interview

Rund 80 Prozent aller Kaufentscheidungen werden angeblich durch Empfehlungen von Menschen beeinflusst, dennoch wird im Onlinehandel mehr Aufwand in die Entwicklung von Algorithmen gesteckt. Warum ist das so? Das fragten sich auch Wirtschaftsingenieur Robert Wetzker und seine damaligen Uni-Forscherkollegen Holger Grosse und Andreas Thom bei einem Restaurantbesuch im Jahr 2011. Wenig später gründeten die drei Aklamio, einen Online-Belohnungsdienst für Produktempfehler, der heute mit rund 1.500 Anbietern kooperiert und 15 feste Mitarbeiter in Berlin beschäftigt.

Im Interview erzählt Aklamio-Geschäftsführer Wetzker von den schwierigen Anfängen des Startups und erklärt, wie sich Privatpersonen durch Kaufvorschläge Prämien verdienen können.

Bitte erkläre mir doch einmal, wie Aklamio funktioniert.

Über Aklamio kann man mehr als zehn Millionen Produkte empfehlen und damit Geld für sich selbst und seine Freunde verdienen. Ich kann zum Beispiel ein Hotel empfehlen und werde dafür am Umsatz beteiligt, während meine Freunde bei der Buchung sparen. Egal, was ich empfehle, von Schuhen über Reisen bis hin zu Mobilfunkverträgen, wenn ich es mit Aklamio tue, erhalte ich das Geld, welches die Shops sonst an Google, Facebook und Co zahlen. Aklamio stellt mir für jedes Produkt einen individuellen Empfehlungs-Link bereit, über den Freunde, Bekannte oder Kollegen einkaufen können. Obwohl wir noch am Anfang stehen, haben sich bei uns bereits mehrere hunderttausend Nutzer registriert, von denen einige durch Aklamio schon mehrere tausend Euro verdient haben.

Wie genau wird dieser Prämienanspruch berechnet und ausbezahlt?

Wir haben über 1.000 Partnershops. Wie viel Geld der Aklamio-Empfehler genau bekommt, hängt vor allem vom Shop ab: So können die Prämien bei Mobilfunkanbietern wie Vodafone oder O2 leicht bei mehr als 100 Euro liegen. Bei vermittelten Einkäufen ist man hingegen in der Regel prozentual am Umsatz beteiligt. Man kann als Empfehler bei uns übrigens entscheiden, ob man die Provision behalten will, ob man sie mit dem Freund, der das Produkt gekauft hat, teilen will, oder ob man sie ihm komplett schenkt.

Das Angebot richtet sich also vor allem an Privatnutzer?

Die Mehrheit unserer Nutzer sind private Empfehler. Wir unterstützen aber auch Nutzer, die unseren Dienst gewerblich nutzen wollen, zum Beispiel für Empfehlungen auf der eigenen Webseite. Shops können unsere Technologie auch direkt auf ihrer Seite oder im CRM integrieren und so ohne technischen Aufwand ihr eigenes Empfehlungsprogramm starten. Über 200 unserer Partner tun das schon, zum Beispiel Vodafone, Simyo, MyBet oder Momox.

Wie bist Du auf die Idee dazu gekommen?

Ich habe zum Thema Produktempfehlungen promoviert und da ist mir ein wesentliches Problem immer wieder ins Gesicht gesprungen: Unternehmen versuchen, über Algorithmen vorherzusagen, was ihre Kunden kaufen wollen und an solchen Algorithmen habe ich geforscht. Doch immer wieder kam die Erkenntnis: Algorithmen sind häufig sinnvoll und gut, doch in vielen Situationen wissen Menschen viel besser, zu wem ein Produkt passt. Milliarden werden in die Erforschung von Algorithmen investiert, doch das Empfehlungsmarketing von Shops wird vernachlässigt. Erstaunlich, zumal Studien zufolge 80 Prozent aller Kaufentscheidungen durch Empfehlungen von Menschen beeinflusst werden.

Was hast Du denn studiert?

Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Berlin. Promoviert habe ich dann im Bereich Informatik, wo ich Verfahren für die Analyse großer Datenmengen entwickelt habe.

Was machst Ihr jetzt mit Aklamio anders als die Konkurrenz?

Natürlich haben Unternehmen auch schon vor Aklamio Freundschaftswerbung eingesetzt, aber immer verbunden mit hohen Kosten und nie so effektiv, wie wir es als Spezialist anbieten können. Als Vorreiter schaffen wir bei Nutzern gerade auch ein Bewusstsein dafür, dass ihre Empfehlungen einen Wert haben und dementsprechend vergütet werden sollten.

Wie viel Provision habt Ihr denn mittlerweile schon vermittelt?

Momentan zahlen wir jeden Monat einen sechsstelligen Betrag an unsere Nutzer aus.

Und wie verdient Ihr dabei Geld?

Wir nehmen eine Service-Gebühr von den Shops. Inzwischen sind wir übrigens in unserem deutschen Kernmarkt profitabel.

Was waren für Euch Gründer die größten Herausforderungen bisher?

Die ersten Shops für unsere Technologie zu gewinnen. Am Anfang mussten wir viel telefonieren und Überzeugungsarbeit leisten. Heute ist es deutlich einfacher und sehr viele Shops rufen von sich aus bei uns an, um aufgenommen zu werden oder um unsere Technologie auf der eigenen Webseite einsetzen zu können. Momentan ist die Internationalisierung und das damit verbundene Wachstum unsere größte Herausforderung. Wir sind neben Deutschland, Österreich und Schweiz auch in Spanien, UK und Frankreich aktiv, doch wir wollen möglichst bald noch weiter expandieren.

Hast Du spezielle Tipps für andere Gründer?

Durchhalten. Wir mussten wirklich lange um unsere ersten Partner-Shops kämpfen. Wir waren überzeugt von unserer Idee. Aber versucht mal als junges Startup, einem etablierten Unternehmen zu erklären, dass Ihr einen Teil seines Geschäfts besser versteht.

Kannst Du Dir später einmal einen Exit für Aklamio vorstellen?

Ehrliche Antwort? Später einmal: ja. Aber noch haben wir viel zu tun.

Vielen Dank für das Gespräch, Robert.

Text: Interview mit Dr.Robert Wetzker (CEO Aklamio GmbH)

Quelle: Gründerszene

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